Die Teufelstreppe an der Wäng

von Franz Wieland

Zur Zeit, als noch die alte Straße
im Murgtal diente dem Verkehr,
da trug sich zu in Weisenbach
ein schaurig Stückchen, sagt die Mär.

Schon immer hatten dort die Männer
gesessen gerne bei dem Bier,
auch viel geschimpft schon ihre Frauen
und wollten oft verzagen schier.

Doch jetzt die Zecher trieben’s toll.
Ein Fremder war im Dorf erschienen,
der täglich sie ins Wirtshaus lockte
und ab sie hielt vom Geldverdienen.

Und Reden führte dieser Mann,
wie man sie nie gehört im Tal;
den biedern Sinn der schlichten Leute
er tückisch-listig ihnen stahl.

Ein junges Weibchen grämte es,
daß auch ihr Ehgespons dabei.
Sie schwor, daß sie dahinterkomme,
wer der verdächt’ge Fremde sei.

Sie schlich des Nachts vors Schlüsselloch,
als er gerad beim Ausziehn war,
da sah sie einen Pferdefuß!
„Es ist der Teufel!“ ward ihr klar.

Gleich schlug sie Lärm; ein paar Beherzte,
die drangen in die Kammer ein
und nahmen Belzebub gefangen,
der - seltsam wars - sich schickte drein.

Noch in der gleichen Nacht man brachte
dem Vogt von Gernsbach Eilbotschaft.
„Der Teufel ist in Weisenbach!
Im Turm sitzt er in sichrer Haft!“

Und in der Früh mit dem Gefangenen
nach Gernsbach auf sofort man brach,
daß man dem Tod ihn überliefre,
und alt und jung zog hintennach.

Groß war die Freude, daß für immer
des Satans Zeiten nun vorbei,
und daß die Menschen glücklich würden
und aus mit aller Teufelei.

Grad als man an die Wäng gekommen,
wo einst der Weg war so verengt,
da kamen schon auf schnellen Rossen
des Vogtes Reiter angesprengt.

Sie sehen - und mit einem Rucke
der Teufel war von Fesseln frei
und stieß sich ab hoch in die Lüfte,
ließ nur noch hör’n ein Hohngeschrei.

Am Fels, von dem er abgestoßen,
ein Pferdehuf war abgedrückt,
den man nach nun so vielen Jahren
noch heut an jener Stell erblickt.

Die Reiter aber tobten schrecklich,
weil man den Teufel nicht gebunden,
so fest wie nötig es gewesen,
und er für immer nun verschwunden.

Noch lang getan ward mancher Fluch,
und schließlich kam’s zum Urteilsspruch:
„Der Weisenbacher Schuld es bleibt,
daß der Teufel noch sein Wesen treibt!“

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