Die Sage von der Teufelsmühle

von Franz Wieland - 1.7.1945

Oft der Name Teufelsmühle Anlaß gibt zu Kopfzerbrechen.
Wie kann man bei solcher Berghöh denn von einer Mühle sprechen?
Woher soll die Mahlfrucht kommen? Nirgends sind Getreidefelder!
Weit im Umkreis liegen dort nur unermeßlich große Wälder.
Das Geheimnis „Teufelsmühle“ kann drum lüften nur die Sage,
deshalb sei es jetzt gestattet, daß man diese vor hier trage.

Weisenbach, das Murgtaldörflein, hat auch einst ´ne Mühl besessen. Doch das ist schon sehr sehr lange. Mühl und Müller sind vergessen. Sie war viel zu tief gelegen; ’s gab deshalb oft Schwierigkeiten, und gerad bei hohem Wasser mußt dem Müller sie verleiden. Denn besonders an solch Tagen konnt er sie nicht lassen laufen, und er selbst oft in Gefahr kam, dabei auch noch zu versaufen.

„Alle Gänge unter Wasser! Da kann man den Mut verlieren!
Ist das nicht zum Teufelholen?“, tat die eigne Wut er schüren.
Wie gewohnt in solchen Fällen, sucht mit Schnaps er sich zu trösten. Manchmal gab ’nen kleinen Rausch es, manchmal aber auch den größten. Wieder wars so, und der Teufel war schon da, ihn zu versuchen, grade als der wüt’ge Müller tut die ganze Mühl verfluchen:

„Wenn dich nur einmal der Teufel dort auf jenen Berg ’nauf trüge!
Gern verschrieb ich ihm die Seele, und wahrhaftig ich nicht lüge!“
Kaum gesagt, da stand der Teufel vor dem Müller, der verlegen,
und begann ihn zu beschwatzen, streckt ihm schon ’nen Schein entgegen: „Mann, ich packe Euch beim Worte! Was Ihr wünscht, sei wie befohlen. Unterschreibt mit Eurem Blute! Heut noch will die Mühl ich holen.“

„Hier kannst den Vertrag Du lesen, den ich mache jetzt mit Dir. Und es soll Dein größtes Glück sein, hälst Du Wort – Das glaube mir! Zu Beginn der Geisterstunde komm ich her mit allen Teufeln.
Werd auf jenen Berg sie schaffen. Daran brauchst Du nicht zu zweifeln. Und am End der Geisterstunde steht sie aufgebaut dort oben. Ein groß Windrad wird ihr Antrieb. Morgen wirst gewiß mich loben.“

Das Papier schon ausgefüllet hält er hin dem ganz erschrock’nen,
der nur stammelt: „Ja, was soll das? Sitz doch dort ich ganz im Trocknen. Und wie stünds denn mit der Kundschaft, wagt der Müller einzuwenden. „Ach, da mach Dir keine Sorgen! Werd sie massenhaft Dir senden!“ Denn dem Teufel um ’ne Antwort niemals ist es ernstlich bange; hat stets eine vorbereitet, braucht sich nicht besinnen lange.

Hin mit Blut nun schrieb der Müller seinen Namen im Gefühle,
daß er bald ein großer Herr sei droben auf der neuen Mühle.
An die Arbeit ging der Teufel zu Beginn der Geisterstunde,
baute ab die alte Mühle mit viel Teufeln noch im Bunde.
Auf dem Berg von andern Teufeln ward erbaut die neue Mühle,
um des Müllers Seel’ zu kriegen, schon sie wähnen sich am Ziele.

Ja, fast fertig ist das Bauwerk. Wohl nur noch Sekunden fehlen,
bis zum End’ der Geisterstunde. Hui, wie sich die Teufel quälen!
Doch, wie sie den letzten Quader keuchend durch die Luft hertragen, hört vom nahen Loffenau man schon die Uhr laut ein Uhr schlagen. Daß der Handel war mißlungen, hat der Teufel einsehn müssen, hat voll Wut den letzten Quader auf die neue Mühl geschmissen.

Wie ’ne Bombe der da wirkte! Auseinander fiel sie wieder!
Sie, die Teufelswerk gewesen; ringsum sanken Trümmer nieder.
Drum – wie uns die Sage meldet – heißt der Berg die Teufelsmühle;
ist fürwahr im weiten Umkreis eins der schönsten Wanderziele.
Heut die Trümmer dort noch liegen. Jeder Wandrer kann sie sehen.
Doch nur wen’ge, die drum wissen, bleiben sinnend manchmal stehen.

Denn der Name ist umstritten, und ’s gibt Leute, welche sagen,
daß der Berg einstmal den Namen „Tiufels“ wohl hat getragen.
Wohl zu Ehren des Kriegsgottes, den einst uns’re Vorfahrn kannten,
der im „Zieschtig“ weiterlebt und den „Ziu“ sie benannten.
Wie der Weisenbacher Müller kam aus der Geschichte raus,
drüber ist nichts zu erfahren, auch die Sage schweigt sich aus! 

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