Die letzte Schnitzfrau aus dem Murgtal

von Franz Wieland - November 1942

1.
Von dort, wo d’Füchs zum Hasen sagen:
„Gut Nacht! Gut Nacht! Auf Wiedersehn!“
Vom Murgtal hinge her wir tragen
so schwere Lasten. Doch wir gehn!:
Weil heute hier was los ja ist,
wo man g’wiß gern was Gutes frißt.
Die Schnitzfrau ist heut da!
Ihr Leut, kauft Schnitz!

Kehrreim
Ich bin die letzte Schnitzfrau aus dem Murgtal hinge.
Ja, beim Handle mit de Schnitz da muß ich arg mich schinge.
Und weil’s viel Laufe un Verkaufe mich so ab als hetzt,
drum wird als hingenoch e Viertele gepfetzt! Au jetzt!


2.
Wie schlecht wär’s uns schon oft ergange,
wenn in dem Tal war große Not.
Da sind wir halt am Schnitzsack g’hange,
da war’n die Schnitz das täglich Brot!
Drum deckt euch ein mit Schnitz, ihr Leut!
Sorgt ja euch vor für d’schlechte Zeit !
Die Schnitzfrau ist heut da!
Ihr Leut, kauft Schnitz!

3.
Mei jüngste Tochter, die hat immer
gegessen gern die gute Schnitz.
Drum gab’s so’n strammes Frauenzimmer,
hat auch schon einen Schatz! Potz Blitz!
Man sieht’s an ihr, wie d’Schnitz sind g’sund!
Deshalb ist sie so kugelrund!

4.
Vergebens konnt’ ich stets anpreise
der Vogelscheuch da meine Schnitz.
Kein Freier will bei ihr anbeiße.
Da macht mal höchstens einer Witz!
Möcht einer von den jungen Herrn
vielleicht sie doch noch haben gern ?

5.
’nen ganzen Apfel! - kann man lesen -
die Eva hielt hin ihrem Mann,
damit er lieb zu ihr gewesen;
jedoch ich zweifle sehr daran.
Bei meinem Alten, meinem Fritz,
da braucht’s kein Apfel - ’s langt en Schnitz !

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